Samstag, 3. Dezember 2016

Schutzengel. Aus Gründen.

Ich hab das eigentlich nicht so mit Engeln.
Oder anderen übernatürlichen Wesen.
Im Allgemeinen stehe ich vermeintlich höheren Mächten skeptisch bis kritisch gegenüber, mag den Zufall lieber als das Schicksal "TM" und werde regelmäßig fuchtig, wenn meine Liebe zu Sternen und Astronomie mit Sterndeuterei und Astrologie verwechselt wird.
Das liegt vielleicht daran, dass ich als Kind in einen Zaubertrank gefallen bin (oder reingeworfen wurde...) der ziemlich voll war mit Esoterik und "anderen Ebenen der Erkenntnis" und sowas, und es hat einige Jahre meines Erwachsenenlebens gebraucht, da heraus zu klettern und mich frei zu schwimmen.
Es folgte eine Phase heftiger Ablehnung, bis ich, altersweise wie ich ja jetzt bin (Scherz), in einem Zustand angekommen bin, in dem ich es wieder aushalten kann, mich mit den schönen Seiten (auch und gerade meiner eigenen) von Irrationalität zu befassen.
Eines meiner Lieblingsbücher aus Kinder - und Jugendtagen war "Engel" von Sulamith Wülfing.
Ach, wie ich schon den Namen dieser Frau geliebt habe...Su-la-mith...
Das Büchlein ist klein und drin waren unglaublich filigrane Illustrationen von Engeln und Gedichte, von Rilke oder Morgenstern.
Ich konnte mich da gar nicht dran satt sehen.
Ich habe das mal gegoogelt und finde es heute eher kitschig und schwülstig, aber das zeichnerische Handwerk, das kann ich immer noch bewundern.
Aber warum überhaupt jetzt Engel?
Also das kam so.
In meinem Goldschmiedeatelier werde ich immer wieder gefragt, ob ich auch Schutzengel vorrätig habe.
Zur Taufe, zum Schulabschluss oder für ganz andere, sehr persönliche Anlässe.
Nein, hab ich nicht, war dann immer meine Antwort.
Ich hatte diese Himmelswesen einfach nicht mehr auf dem Radar.
Ebensowenig habe ich Kreuze oder andere religiöse Schmucksymbole in meinem Repertoire, was rein wirtschaftlich wahrscheinlich unklug ist, da auch so etwas relativ oft angefragt wird.
Irgendwas in mir sperrte sich bis vor kurzem dagegen, dieses Terrain (wieder) zu betreten.
Engel, ja, da hatte ich schon öfters mal Ideen.
Und ich mag ja auch sehr gerne sowas wie Talismane, Glückszahlen oder das Kribbeln, wenn etwas passiert, was man als Zeichen für XYZ deuten könnte.
Ich kann mit dem klarsten Kopf und sehr rational davon überzeugt sein, dass Begegnung A mit Ereignis B rein zufällig zusammen gefallen ist, und mir herleiten, dass die Erkenntnis über Ereignis C allein durch den Rückschaufehler so plausibel erscheint, und gleichzeitig erfreue ich mich an einem uralten verknickten Foto einer Geldbörse, welches ich als Glücksbringer seit Beginn meiner Selbständigkeit in meinen wechselnden Portemonnaies herumschleppe.
Auch wenn ich genau weiss, dass es kompletter Unsinn ist, stelle ich mir gern vor, dass es ein gutes Zeichen ist, dass in fast zehn Jahren Selbständigkeit alles mögliche verschollen ist, aber ausgerechnet dieses Papierstückchen nicht verloren gegangen ist.
Ein Zeichen, klarer Fall, oder?
Nein, aber die Idee ist schön.
Womit ich endlich wieder zu den Engeln komme.
Die Idee der Schutzengel, die finde ich nämlich auch sehr schön.
Und nachdem ich kürzlich wirklich unverschämtes Glück hatte, und auch im FreundInnenkreis davon erzählte, da war es wieder:
"Mensch, da hattest Du aber einen guten Schutzengel!"
Nein, ich glaube nicht, aber es ist schön, sich so etwas vorzustellen.
Und so habe ich mal den Stift gezückt und mir ein paar Engel ausgedacht.
Sie sind ein bisschen krakelig, haben noch nicht so den letzten Schliff, aber sie dürfen hier im Internet schonmal ein bisschen probefliegen.
Ich glaube ich mag sie, und heute habe ich die ersten Versuche aus Silber gesägt.
Mal sehen.