Montag, 16. Januar 2017

Rollin' home oder wie ich zum Hackenporsche kam

Leben ohne Auto.
Wollte ich ja schon länger mal drüber schreiben.
Autos sind ja eine super Erfindung, aber mir haben sie trotzdem immer eher Angst eingejagt oder zumindest sehr großen Respekt gemacht.
Als ich in dem Alter war, als um mich herum viele Leute ihren "Lappen" machten, hatte ich a) kein Geld und b) keine Ambitionen, mir welches extra für den Führerschein zu erjobben.
Gebraucht hab ich ihn auch nicht, ich fuhr meist Bus und Bahn und hatte durch das Semesterticket auch recht erschwinglichen Zugang zu diesen Fortbewegungsmitteln.
Mein erster Freund durfte dann irgendwann das Auto seiner Mutter fahren, und wir haben sehr sehr lustige Sachen damit erlebt.
Ich kann sagen, ein Auto kann äusserst hilfreich sein, wenn man Zelturlaub auf einer Nodseeinsel macht und es nachts derart stürmt und regnet, dass man sich selbst samt (klatschnassem) Zelt in die kleine rote Blechkugel verpacken kann und zumindest nicht weg fliegt.
Und klar, später dann, als mein Mann und ich einen schwarzen flauschigen Fellbären (hach...) namens Willi zu uns genommen haben, da habe sogar ich irgendwann Spaß am Auto fahren gekriegt.
Wenn dann irgendwann aus dem jungen Wildfang ein krankes und altes Hundetier geworden ist und man nicht in der Stadt wohnt, ist es sogar oft undenkbar, ohne Auto zu sein.
Und, lange her, in den ersten Jahren unserer Selbständigkeit, als das "Atelier kleine Freiheit" noch keine feste Homebase hatte und wir jedes Jahr auf Kunsthandwerkermärkten, Ausstellungen und Messen unterwegs waren, was hätten wir da nur ohne unseren fabelhaften Kangoo gemacht!
Wenn nur diese Blechkisten nicht immer irgendwann ihre Zicken und Macken kriegen würden, die einem die letzten Haare vom Kopf fressen, einem schlaflose Nächte bereiten und Fragen von wahrhaft existenziellem Ausmaß aufzwingen...
Als es das letzte Mal soweit war, dass wieder die Diskussion entbrannte, wie es mit dem in die Jahre gekommen Gefährt weiter gehen sollte, entschieden wir uns dazu, es endlich mal ganz ohne Auto zu versuchen.
Der Fellbär im Hundehimmel, die Wanderjahre mit dem Atelier vorbei...also los, jetzt oder nie!
Das war ungefähr im Mai, ist also jetzt knapp acht Monate her.
Seither haben sich unsere Fahrradkilometer vervielfacht, wir kennen fast das ganze Busliniennetz auswendig und schrecken auch nicht davor zurück, sperrige Sachen per Lieferdienst zu bestellen.
Da wir halb im Dorf wohnen, ausserdem auf einer ziemlichen Anhöhe, müssen wir schon recht gut planen und und organisieren, was wann wohin transportiert werden muss, und obwohl wir durchaus keine unsportlichen Leute sind, ging das zwischenzeitlich ganz schön auf die Energiebilanz.
Platt, schachmatt und wirklich erschöpft - da war erstmal nix von wegen "ich bin so fit wie nie zuvor!"
Wir fabulierten von E-Bikes und nahmen auch mal ein Taxi.
Besonders der Wind hier an der Küste macht mir gerne mal zu schaffen, er bläst, da bin ich mir ganz sicher, mit voller Absicht immer entgegen meiner Fahrtrichtung.
Mistkerl.

Wir haben uns vorgenommen, es ein Jahr ohne Auto zu versuchen.
Bisher ist die Bilanz trotz Pannen, kleinen Unfällen und Null-Bock-Phasen äusserst positiv.
Dank lieber Freundinnen und Freunde mit Autos lassen sich in besonderen Fällen auch grössere Transporte machen, und man staunt immer wieder, was alles in ordentliche Fahrradtaschen passt.
Fast wie bei Hermine Granger in "Harry Potter", die ganze Bibliotheken oder auch mal ein Zelt in ihrer Zauberhandtasche verschwinden lassen kann.

Seit heute habe ich einen Hackenporsche.
Weil ich seit meinem kleinen Eis-Malheur immer noch nicht gerne Rad fahre, solange es glatt ist.
Also stapfe ich jetzt mit dem kleinen Rollvehikel los und kann dann mit meinem Einkauf direkt bis vor den Kühlschrank fahren.
That's Luxus, Baby!

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