Sonntag, 23. April 2017

Ich war dann mal weg. Stippvisite im Kloster Nütschau

Heute nehm ich Euch mit ins Kloster.

Zeichnung vom Kloster Nütschau

Eine Idee, die mir schon länger im Kopf herum geschwirrt ist, habe ich nun endlich umsetzen können - mal ein paar Tage in einem Kloster wohnen.
Um eine andere Art der Ruhe auszuprobieren, aber auch aus Neugier.
Als eine, die Religion und Kirche nach langer Abstinenz und Kirchenaustritt nun aus respektvoller Distanz (lesen, fragen, lernen) betrachtet, war mir nun danach, mal näher ran zu zoomen.
Und da nach einer wirklich sehr hektischen Phase im Atelier kleine Freiheit eine echte Pause nötig wurde, habe ich spontan drei Tage im Kloster Nütschau gebucht.
Mich hat die Internetrecherche dorthin geführt (andere würden sagen, das war "Gott") und ich kann nur sagen:
Es wird nicht mein letzter Besuch dort gewesen sein.
Der Weg dorthin ist für mich von Kiel aus locker in zwei Stunden gemacht, entspanntes Zuckeln mit der Regionalbahn, und dann mit dem Anrufsammeltaxi vom Bahnhof Bad Oldesloe nach Nütschau.
Das besteht aus dem Kloster und einer Handvoll Häuser drum herum.
Das Kloster selbst ist ein altes Herrenhaus mit einem modernen Anbau, in dem die Mönche leben.
Dazu kommen verschiedene Häuser, in denen Gäste wohnen und Seminare stattfinden.
Drum herum:
Landschaft, Gegend, Natur pur.
Seen, hügelige Wiesen, Wald, Moor, Büffel.
So ein kleiner Wanderwaltschrat wie ich hat da sofort das Kribbeln in den Füssen.
Dummerweise aber war ich ernsthaft so platt, dass an große Wanderungen nicht zu denken war.
Das ist schon Punkt 1 auf meiner "was ich lernen will" - Liste:
Damit zu Rande kommen, dass ich Grenzen habe.
Klingt banal, ist aber höllisch schwer umzusetzen.
Aber nun war ich dort, bezog mein kleines, aber sehr freundliches Zimmerchen und habe mich gleich eine halbe Stunde hingesetzt und den Meisen beim Nestbau zugeschaut.
Ich hatte nämlich aus dem 2. Stock einen traumhaften Blick in einen rosa blühenden Baum.
Dann habe ich das Gelände erkundet und dabei den ersten Mönch meines Lebens getroffen.
Mit schwarzem Habit, der im ruppigen Aprilwind sehr beeindruckend hinter ihm flatterte.
Es war Bruder Elija, der für die Betreuung der Gäste verantwortlich ist, und so wurde mir direkt kräftig die Hand geschüttelt und ein "herzlich Willkommen" entgegen gerufen (wie gesagt, fast orkanartige Böen).
Später sah ich ihn wieder über den Klosterhof eilen, das Smartphone am Ohr.
Drastischer kann man "alt trifft neu" wohl nicht illustrieren.
Wobei Bruder Elija durchaus nicht alt ist, er ist mein Jahrgang.
Aber das schwarze Mönchsgewand, das ruft in mir unwissender Person natürlich erstmal eher altertümliche Assoziationen hervor.
Aber darum war ich ja unter anderem hier:
Ich wollte wissen, wie man das heute so zusammen bringt - das uralte Ritual der Stundengebete, die zölibatäre Lebensform, die Gemeinschaft in Abgeschiedenheit (wobei die Mönche des Benediktinerordens Gastfreundschaft ganz oben in der Ordensregel haben und auch danach leben) - und dann das Zusammentreffen mit uns "einfachen" Menschen, die dort mit ihren privaten Sorgen und Nöten kommen und zeitweise aus ihrem Alltagswahnsinn fliehen.
Natürlich sind 2 1/2 Tage nicht im entferntesten dazu geeignet, das alles zu erfassen.
Mein Fazit ist daher sehr einfach:
Sie kriegen das dort offenbar sehr gut hin.
Noch nie habe ich mich innerhalb so kurzer Zeit so sehr entspannt und gelöst.
Alles ist für die Gäste ein "alles kann, nichts muss" und das funktioniert.
Man kann, wenn man will, dort ankommen und dann mit niemandem mehr sprechen. Es gibt für die "Gäste im Schweigen" einen eigenen Bereich, auch zum Essen (welches super ist!), aber er ist nicht isoliert, sodass man, wenn man doch etwas Anschluss braucht, problemlos welchen findet.
Einen Aufenthalt im Schweigen habe ich mir für den ersten Versuch nicht zugetraut, obwohl mir eigentlich danach war.
Beim nächsten Mal weiss ich, was mich erwartet, vielleicht traue ich mich dann.
Man kann, wenn man will, an allen Stundengebeten der Mönche teilnehmen, aber es gibt keine Pflicht.
Ich habe mir bis auf die Morgengebete alle einmal angeschaut, und dazu schreibe ich vielleicht noch mal einen eigenen Blogbeitrag.
Es bleibt für mich eine fremde Welt, aber ich habe einmal mehr gespürt, wieviel diese alten Rituale manchen Menschen bedeuten und wie sie ihnen helfen.
Was mir auch vorher ein bisschen Kopfzerbrechen gemacht hat:
Mit lauter wildfremden Menschen zusammen essen.
Ich bin, was viele, die mich kennen (oder zu kennen glauben, haha) immer wieder erstaunt, sehr schüchtern.
Ich brauche lange, um auf andere zugehen zu können (im Job nicht, da ticke ich merkwürdigerweise anders) und warte lieber, bis mich jemand anspricht.
Das stand auch in schöner Regelmässigkeit in meinen Schulzeugnissen:
"Sehr still, steht auf dem Schulhof oft abwartend am Rand, arbeitet mündlich zu wenig mit".
Davon ist wohl noch einiges übrig geblieben.
Aber gerade deshalb habe ich meinem Drang, dort ganz im Schweigen zu sein, widerstanden. Das hätte sich ein bisschen nach "ich drück mich vor den neuen Begegnungen" angefühlt.
Und die Begegnungen, die ich dann hatte, waren allesamt wirklich locker, sehr bereichernd und schön, sodass ich am Ende das Gefühl hatte, mit einem richtigen kleinen Schatz an neuen Erfahrungen nach Hause fahren zu dürfen.
Ich hatte Ruhe und Stille, wo ich sie brauchte, und Lachen und Quatschen, wo es sich manchmal ganz unverhofft ergab.
Und ich fand bei einem meiner Spaziergänge aus Versehen ein Geocache. Auch eine Premiere.
Dann hörte ich noch von einem Schwan namens Nils, der dort als einsamer Schwanenmann auf dem Klostergelände lebte, und der abends zur Vesper - Andacht gerne mit dem Schnabel an die bodentiefen Kirchenfenster pochte.
Man organisierte ihm eine Schwanenfrau zur Gesellschaft und Familiengründung, jedoch wurden die beiden keine Freunde, und die Schwanendame wurde ausserdem recht schnell von einem hungrigen Fuchs gerissen.
Also blieb auch Nils der Schwan für den Rest seines Lebens ohne Frau.
Passt ja irgendwie, wenn "Mann" auf dem Klostergelände wohnt.

Halleluja Baby!

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