Donnerstag, 27. Juli 2017

Die kleinen Dinge





Heute im Supermarkt um die Ecke:
Das lustige „welches-ist-wohl-die-schnellst-Schlange“ - Spiel an der Kasse, die Leute um mich herum aber recht entspannt.
Man kennt das hier, es kann etwas dauern.
Zu unserem kleinen Supermarkt muss man folgendes sagen:
Er ist etwas ganz besonderes.
Denn hier wird sich Zeit genommen.
Besonders für die vielen alten Leute, die rundherum in den Seniorenwohnungen leben.
An meinem Atelierschaufenster tippeln sie jeden Tag vorbei, manche kenne ich ein wenig, weil ich ihnen ihre Lieblingsperlenkette repariert habe oder einen verbogenen Ohrstift wieder gerade gemacht habe.
Oft gehen sie mehrmals täglich in den Supermarkt.
Im Schneckentempo, den Rollator fest im Griff, dieser Tage oft mit Schirm, die Schultern trotzig gegen den Wind gestemmt.
Mal wird nur die Tageszeitung gekauft, mal der Kuchen für den Nachmittagsbesuch, mal wird das geholt, was beim vorherigen Einkauf vergessen wurde.
So bleibt man in Bewegung, man kriegt mit, was auf der Straße und im Viertel passiert.
Für viele ist es die einzige Strecke, die noch allein zu Fuß bewältigt werden kann.
Immer wieder wird Pause gemacht, verschnauft, überlegt, ob man den Schlüssel eingesteckt hat oder ob man schon das Taschengeld für den Enkel von der Bank geholt hat.
Im Supermarkt, der eng, klein und herrlich unrenoviert ist, arbeiten die nettesten Kassiererinnen und Kassierer, die man sich nur vorstellen kann.
Sie gehen fix die Pfandflasche in den Automaten einwerfen und schnauzen die alte Dame an der Kasse nicht an, weil die sich einfach nicht merken kann, dass man das Altglas nicht mehr bei Menschen sondern bei Robotern abgeben muss.
Wenn man sein Lieblingsshampoo nicht finden kann, dann wird man nicht mit vager Handbewegung irgendwo in den „dritten Gang links“ gescheucht, sondern es kommt jemand mit und zeigt einem, wo es hingeräumt wurde.
Auch heute wieder wurde sich wieder sehr rührend um eine alte Dame gekümmert, die an der Kasse merkte, dass sie Haferflocken und Müllbeutel vergessen hatte.
Macht nix, wurde schnell geholt.
Wenn man es also extrem eilig hat, dann sollte man diesen Supermarkt meiden.
Denn hier arbeiten auch ein paar Menschen, die ein bisschen langsamer sind, denen man anmerkt, dass sie ein paar Probleme mit Rechnen haben (denen fliegt ja mein Herz ohnehin zu, ich kenne das nur zu gut) und die, wie man hier im Norden sagt, hin und wieder ein bisschen „tüddelig“ sind.
Aber wirklich nur ein bisschen, und wenn man nicht rumdrängelt und meckert, dann klappt alles trotzdem.

Es ist manchmal so einfach.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen