Sonntag, 23. Juli 2017

Radrennen und Feminismus oder wie ich mich nicht aufregte.



Skizze eines TV-Geräts mit rosa Herzen auf dem Bildschrim. Dazu ein Glas Wein. Skizze von Meike Kröger




Neulich im Internet.
Genauer gesagt bei Facebook. Da wurde ein Interwiev herumgereicht, welches ZDF-Mann Claus Kleber mit der Schaupielerin Maria Furtwängler zum Thema Sichtbarkeit und Präsenz von Frauen in den Medien, speziell im Fernsehen, geführt hat.
Wer das nicht angeschaut hat, findet es sicher noch in der Mediathek vom ZDF Heute Journal.
Kurz gefasst, wollte Frau Furtwängler (und offenbar auch andere Menschen) ihr diffuses Gefühl, dass es immer noch ein großes Ungleichgewicht in der Medienpräsenz von Männern und Frauen gibt, mit einer Untersuchung in Zahlen fassen, und die Zahlen, die die Studie ergeben haben, bestätigten dann auch die diffusen Gefühle.
Ich gehöre zu denjenigen, die reflexartig dachten „ja klar, wundert mich gar nicht.“ 
Wollte mir das Interview gar nicht ansehen.
Weil aber dann dauernd kräftig auf Herrn Kleber herumgehackt wurde, habe ich dann doch reingeschaut.
Au weia.
Wer sich je gefragt hat, ob es denn „diesen ganzen Feminismuskram“ noch braucht, der sollte sich das Interview anschauen.
Herr Kleber liefert mit seinen Fragen exakt den Beweis dafür, warum noch lange nicht alles gut ist oder - wie er anhand der positiven Beispiele aus Hollywood zu zeigen versuchte - „sich ja von selbst regelt“.
Ich könnte mich jetzt darüber aufregen, wie furchtbar unhöflich er Frau Furtwängler immer wieder ins Wort gefallen ist, wie respektlos er sie am Ende abgewürgt hat und wie unterirdisch das ganze überhaupt war.
Ich lasse das, denn das Interview ist einfach ein Bilderbuchlehrstückchen in Sachen „warum wir diesen Feminismuskram immer noch brauchen!“.
Quasi vom allerfeinsten.
Interessant sind auch die Reaktionen auf das Interview.
So bekam Maria Furtwängler von vielen Seiten Lob dafür, dass sie die ganze Zeit höflich und freundlich, ja, sogar fröhlich blieb.
Für den österreichischen „Standard“ war sie durch dieses Verhalten jedoch schuld daran (!) dass das Interview kein „interessantes Streitgespräch“ war.
Auch ich selbst (so wie scheinbar drei Viertel der feministischen Filterblase) hat es ja fast von den Stühlen gehauen bei den Fragen und Eingaben von Herrn Kleber, ich habe mir auch spontan gewünscht, dass Frau Furtwängler schärfer zurückgeschossen hätte.
Aber war das in dem Moment ihr Job?
War es so nicht viel eindrücklicher und entlarvender, dass sich ausgerechnet beim gestandenen Topjournalisten und Welterklärer Claus Kleber zeigte, wie die angesprochene Ungleichheit und „Unwucht“ von (vielen) Männern immer noch marginalisiert wird?
Selten sah man den ZDF-Anchorman derart unsouverän und hölzern auftreten, er wirkte fast ein bisschen hilflos, wie er da seine sorgfältig als „provokativ“ gemeinten Kampfbegriffe auf Frau Furtwängler losließ und damit…naja…nichts erreichte, außer einen ziemlich befremdlichen Eindruck zu hinterlassen.


Heute ist der letzte Tag der Tour de France, und an diesem Tag findet auch ein kleineres Frauenradrennen statt. Davon erfährt man in der regulären Berichterstattung original nichts.
Seit ca. vier Jahren verfolgen wir die Tour im TV und ich fragte mich natürlich, warum dort eigentlich keine Frauen mitfahren oder warum es keine weibliche Tour gibt.
Es gab mal eine, ja.
Fragt einfach Google, es ist ein Trauerspiel und hat u. a. mit dem vermeintlich „geringerem Interesse“ der Zuschauerschaft (und somit der in Frage kommenden Sponsoren) zu tun, was Claus Kleber als ein Argument für den geringeren Frauenanteil (in spezifischen, relevanten Positionen) genannt hat.
„Die Zuschauer wollen das ja scheinbar nicht sehen“.
So kann „Mann“ es sich natürlich bequem machen, die Füße hochlegen und in der Nase bohren.
Wozu der ganze Stress Ladies, ihr seht doch, es regelt sich irgendwann von selbst.
Ihr müsst das eben aushalten, dass man Shitstorms auf euch hetzt, wenn ihr euch erdreistet, in den ersten Reihen mitfahren, laufen, sprechen, entscheiden oder kommentieren wollt.
Ich will mich aber nicht aufregen und statt dessen lieber Heldinnen feiern.
Z. B. Katherine Switzer. 
Ohne die gäbe es keine Frauen auf den Marathonstrecken dieser Welt.
Lest mal ihre Biografie „Marathon Woman“, es ist ein faszinierender Augenöffner in Sachen Macht, Feminismus und Ausdauer.
Und auf dem Blog „Bike-Sisters“ gibt es eine kleine Geschichte des Frauenradsports, auch sehr lesenswert.

Let the good times roll und bleibt dran!










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